Ist der deutsche Turnsport noch zu retten...?
17-Apr-2005

Zum "Offenen Brief" von Stacy Malony

- ein Kommentar von Bernard Schwermann

  Offensichtlich hat Stacy Maloney die Skandalspiele von Athen vergessen. 
Der dortige Höhepunkt, in der ganzen Reihe von solchen
Ereignissen der letzten 40 Jahre, hatte sogar höchste Instanzen und auch das IOC auf den Plan gerufen. Die Forderung des IOC an den Internationalen Turnerbund (FIG) war eindeutig:
Schafft endlich ein Reglement, das Manipulation und Betrug auf
ein Minimum reduziert!!
Nun liegen dazu Vorschläge auf dem Tisch. Die nach oben offene
Schwierigkeitsnote soll das Denkmal 10.0 tilgen.
Das ist m.E. der richtige Weg, so dass jeder Turner auch für die
insgesamt absolvierte Leistung die dafür vorgesehenen Punkte erhält. Bisher werden ja die Mehrelemente als 10.0 unberücksichtigt gelassen. Dafür bekommt der Turner nichts. Die Schwierigkeitsnote 10.0 wird "gedeckelt". Das ist ungenau und vor allem ungerecht.
Das von Maloney beschriebene Szenario von extremer Zunahme
der Schwierigkeit, brutalem und  gefährlichem Sport bis hin zum Extremsport, gigantische Erhöhung von wahrscheinlichen Verletzungen und Verlust der Ästhetik halte ich für Übertreibung.
Dies wird auch deshalb nicht eintreten, weil bereits in der Vergangenheit in regelmäßigem Rhythmus die Schwierigkeitsnote
herabgesetzt und die Bonuspunkte erhöht wurden. Zur Zeit sind wir bei der Schwierigkeit bei 8.40 und einer Bonusmöglichkeit von 1.60 Punkte.

Was allerdings nicht eintreten darf, ist, dass aus einem unzähligen
Anteil von Elementen die besten 10 Wertteile berechnet werden. Das schafft unnötige Rechnerei, Unübersichtlichkeit, Unklarheit, schafft Möglichkeiten zu Irrtum, Streitereien und Manipulation. Es muss genau festgelegt werden, dass z.B. die ersten 10 oder 12 Elemente angerechnet werden. Damit entfällt auch die von Maloney angedachte Möglichkeit, dass ein Turner mit "Absteigern" gewinnen kann oder sogar ohne alle 6 Geräte zu turnen Mehrkampfsieger wird.
Und wenn alles nicht hilft, muss man darüber nachdenken,
dass eine Übung beim Verlassen des Gerätes beendet ist!!
Was die Desorientierung der Zuschauer betrifft, kann man nur
feststellen, das gerade die letzten Code of Points zunehmend dazu beigetragen haben. Sie wurden schwerer verständlich, zu kompliziert und ließen die Möglichkeiten für Ungerechtigkeiten, Manipulation und Betrug zu. Das haben die Zuschauer, wie z.B. in Athen, offenkundig gemacht. Nur "fair play" kann unsere Sportart noch retten.

Das nun etwas Entscheidendes geschehen muss, haben mittlerweile die meisten FIG-Verantwortlichen gemerkt. Es ist nur zu hoffen, dass Präsident Grandi sich diesmal durchsetzt und nicht wie bereits 1999 anderen das Feld überlässt. Wir könnten schon 5 Jahre weiter sein. Dies auch vor dem Hintergrund, dass man zu Gunsten von Maloney annehmen sollte, dass die in dieser Art und Weise gewonnene Goldmedaille von P. Hamm in Athen nicht zur besonderen Freude Anlass gibt. Oder fühlt er sich dabei wohl?? Oder ist der Tenor seines Briefes ein Aufruf alles beim Alten zu belassen, weiter zu manipulieren, die Möglichkeit auf ungerechte Art und Weise zu gewinnen offen zu halten und alles einem System ähnlich der "Mafia" (Arkajew) zu überlassen??
Zur weiteren Vertiefung der Wertungsproblematik und Argumentation, empfehle ich Artikel 
im GYMforum  ab 2002.
Bernard Schwermann

 

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