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Von ALEXANDRA BEIER
Mädchen turnen lieber auf dem Schwebebalken oder üben Positionen an der
Ballettstange, Jungen bevorzugen Dribblings mit dem Fußball oder einen coolen
Dunking in den Basketballkorb.
Mädchen streifen sich gerne enge Ballettanzüge mit Röckchen (Tutu) über, bei
Jungen können die T-Shirts und Hosen gar nicht weit genug sein. Alles längst antiquierte
Klischees oder doch noch die Realität in den Sportvereinen?Gymnastikhalle in der
Von-Essen-Straße, gleich beginnt der Ballettkurs.
Almut zupft ihren blonden Pferdeschwanz
zurecht, schwingt ihre Arme graziös in die Höhe, Fee dreht sich unermüdlich vor dem
großen Spiegel an der langen Wand, Hanna und Katharina hüpfen quer durch die Halle, als
hätten sie
Sprungfedern unter ihren Füßen. Die vier Mädchen gehören zu der Kindertanz-
und Ballettgruppe des Vereins Sportspaß. Und obgleich sie erst viereinhalb oder fünf
Jahre alt sind, wissen sie bereits genau, was sie wollen. "Ich war früher im
Turnverein", erzählt Fee Waldheim, "aber das hat mir gar keinen Spaß
gemacht." Jetzt freue sie sich immer riesig auf das Training und vielleicht werde sie
später mal eine
Primaballerina. Hanna Fiek und Almut Jebens nicken, Katharina Fehrmann rutscht derweil
gekonnt in den Spagat. |

Turnspass nur für Mädchen...?
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Sportspaß e. V. ist mit 17 500
Mitgliedern der größte Verein Hamburgs. Und der Name ist
Programm. "Wir wollen keinen Spitzensport, die Kinder sollen frei von Zwängen sein
und Spaß an der Bewegung haben", sagt Maren Langrock (28), ausgebildete
Tanzpädagogin und Leiterin des Ballettkurses. Die Mitgliederzahlen bestätigen: Das
Konzept des Vereins hat Erfolg, Tendenz steigend.
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Langrock: "Und die Mädchen sind ganz wild aufs Ballett oder Turnen." Zwar gäbe
es hier keine Kleiderordnung, "aber nach und nach kamen alle mit einem
richtigen Ballettanzug an, meistens in zartem Rosa".
Maren Langrock bestätigt damit,
was der Deutsche Sportbund (DSB) jüngst durch eine Erhebung festgestellt hat: Turnen ist
bei Mädchen noch immer die Vereinssportart Nummer eins, bei Jungen macht
erwartungsgemäß Fußball das Rennen.
Was in Deutschland Bestand hat, gilt längst auch in Hamburg: Stärkster Verband
der Hansestadt ist jener für Turnen und Freizeit (103 476).
Dahinter folgt der Fußball (72 836). Und Sportspaß hat mit seinem Kursangebot
schon früh auf die Bedürfnisse der Jugend reagiert. "Die Turn-, Ballett- und
Gymnastikkurse sind immer sehr gut besucht", sagt Maren Langrock, die bei Sportspaß
auch das Kinderbüro leitet.
Nur schade, dass sich noch kein Junge in die Halle an der Von-Essen-Straße getraut hat.
Oder etwa doch? "Ein paar haben mal eine Probestunde mitgemacht", erinnert sich
die Ballettlehrerin, "aber sie sind leider nicht wieder gekommen." |
Die gingen lieber in die Ball- oder
Kampfsportgruppen von Sportspaß. Den Mädchen ist es recht: "Nö, wir wollen keine Jungen."
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