Vladimir Prorok |
In der Hauptstadt der Tschechischen Republik Prag feierte der erste Turn-Europameister am Boden und Vize-Europameister an den Ringen (1. EM Frankfurt 1955) Vladimir PROROK am Dienstag (28. Juli) seinen 80. Geburtstag.
Seit 1958 sorgte er als Nationaltrainer der früheren CSR für einen Höhenflug des Kunstturnens im Lande, der in den sechziger Jahren in den Erfolgen der Balkenolympiasiegerin von Rom (1960), Eva BOSAKOVA und danach in den 8 Olympiasiegen von Tokio (1964) und Mexiko-City (1968) der legendären Vera CASLAVSKA gipfelte.
Zu Beginn der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts übernahm er als Bundestrainer auch die Geschicke des (west-)deutschen Frauenturnens, ...
Der damalige Turnwart Hans-Jürgen Zacharias hatte den tschechischen Kunstturnstrategen gemeinsam mit seiner Frau Alena (geborene Tinterova), die als ausgewiesene Spitzen-Balkentrainerin galt, nach Deutschland geholt, so dass mit Beginn des Jahres 1981 schon die WM-Vorbereitung der bundesdeutschen Turnerinnen unter seiner Regie lief.
Vladimir PROROK, 1984: ... zeigte den bundesdeutschen Turnerinnen den Weg nach oben! |
In der Folge strukturierte Prorok so Einiges um, was nach seiner Erfahrung unabdingbar war, wenn man sich im Leistungssport an internationalen Zielen ausrichten wollte, führte z. B. auch die internatsmäßige Unterbringung am Leistungsstützpunkt Frankfurt ein...
Dies ging einher auch mit einem sichbaren Leistungsschub, was an den Ergebnissen der WM 1983 (Budapest, 8. Platz) und der Olympischen Spiele 1984 (Los Angeles, 4. Platz, ohne sozialistische Länder) abzulesen war...
Manches, was er da im Umfeld tat, ging den zumeist breitensportlich eingestellten Funktionären des Deutschen Turner-Bundes natürlich gegen den Strich,
Prorok und die Turnerinnen Beckers und Anslinger |
... aber auch aus der Sicht der Heimtrainer und deren Vereinsegoismen schlugen ihm damals nicht ausschließlich Sympathien entgegen.
"Wenn du auf Platz 1 in der Welt stehen willst, musst Du auch am besten von allen im Training arbeiten!" - war seine Devise.
Schließlich begab er sich damit in ein Spannungsfeld der damaligen west-europäischen Gesellschaft, in der solche Methoden zentraler Förderung und Lenkung von Prozessen mit leistungssportlicher Zielstellung mehr als unüblich waren. Man wollte zwar einerseits die Früchte internationaler Erfolge ernten, war sich aber der Konsequenz der dafür langfristig zu schaffenden Strukturen nicht bewusst
( ... was sich mancherorts auch bis heute noch nicht bis in den letzten Turnverein herumgesprochen haben soll.)
Als dann das Zwischenhoch des bundesdeutschen Frauenturnens mit Platz 11 zur WM in Montreal wieder vorbei war, die Probleme sich häuften, entband der DTB mit großem Krach den Tschechen Anfang 1987 wieder von seiner Funktion, so dass die WM-Riege im selben Jahr in Rotterdam zwischenzeitlich von Norbert Kuhn betreut wurde.
Nachdem die Olympiaqualifikation (Seoul 1988) mit Rang 15 deutlich verfehlt wurde, übernahm dann der drei Jahre zuvor aus Großbritannien zurückgekehrte Wolfgang Bohner für den nächsten Olympiazyklus die Verantwortung...
Noch heute trauert man in der Tschechischen Republik jenen Zeiten nach, als tschechisches Frauenturnen - neben dem sowjetischen und noch vor den sich entwickelnden ostdeutschen und rumänischen Turnschulen - das Prädikat Weltspitze verdiente.
Vladimir PROROK war einer der Väter dieser vergangenen Erfolge!
Im Frühjahr 2009 wurde er dafür vom Nationalen Tschechischen Olympischen Komitee mit dem Orden "Tibi Gracias" ausgezeichnet.
Mit seiner Gattin Alena lebt der Rentner heute in Prag als aktiver Gärtner und nimmt schon mit Bedauern zur Kenntnis, dass die momentanen Aussichten auf tschechische Medaillen nicht besonders rosig sind.
(c) Eckhard Herholz, GYMmedia INTERNATIONAl.
* Fotos: GERÄTTURNEN AKTUELL 2/84; H. Gohr; Archiv GYMmedia