Kunstturnen erlebte mediale Sternstunde im ZDF Risikobereitschaft der Athleten - Risiko-Verhalten des Verbandes ...!
... mit Marcel Nguyen, Philipp Boy, Ronny Ziesmer und ... ... Lisa-Katharina Hill
Mehrfache Verblüffungen lösten gestern Abend die Kollegen des "Aktuellen Sportsstudios" (ASS) aus. Die erste gelang ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein die schon das Entrée verblüffend sportlich gestaltete: Mit einer anspruchsvollen akrobatischen Reihe und im kühnen Trikot des Turn-Teams Deutschland eröffnete sie dynamisch die Ein-Stunden-Sendung in der Fußballpause und widmete sie dem Schwerpunkt "Kunstturnen". Natürlich stand der proppevolle Ereignistag mit Auftakt Handball-WM in Spanien, mit den erfolgreichen Rennrodlern und Bobpiloten und Alpinen zu Beginn in angenehmer Ausführlichkeit auf dem Plan der ASS-Macher. Natürlich durfte auch das Thema Fußball mit Blick in die südlichen, wärmeren Trainingslagergefilden in der Bundesliga-Winterpause nicht fehlen, aber was dann folgte, kündigte die Moderatorin an mit "Faszination Kunstturnen - eine phantastische Sportart" - ungewohnte Schwerpunktsetzung auf deutschen TV-Bildschirmen, zumal man sich dem Thema und seinen Akteuren mehr als eine halbe Stunde widmete, mehr als im gesamten letzten Jahrzehnt, zusammen genommen ...
"... geht doch!" - möchte man den Journalistenkollegen des ZDF zurufen, wenngleich solch vielseitige und dem Sendungstitel SPORTstudio wahrhaftig gerechtwerdende Programmgestaltungen nicht unüblich sind, auf dem Lerchenberg, immer dann wenn der Ball mal im Bundesligageschehen im Winter ruht. Da fallen einem schon noch weitere historische Sternstunden mit den Valeriens, Kürtens, Sennes, Jauchs, Steinbrechers und ihrer Hintergrundmacher des TV-Sportjournalismus ein, wie man ideenreich Sportarten darstellen kann bzw. könnte ...
"KUNSTTURNEN - eine phantastische Sportart!" ... so apostrophierte Katrin Müller-Hohenstein gleich zu Beginn und zu Recht und stellte sie dann die "phantastischen Drei" des Abends vor, die - selten genug - wie Helden in den Spots der Arena den heiligen Boden des Sportstudios betreten durften: - Marcel Nguyen, der zweifache Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2012, - Philipp Boy, der zweimalige Mehrkampf-Weltmeister und Europameister und "traurige Held" von London, und - Ronny Ziesmer, des ZDF's Co-Kommentator im Rollstuhl, dessen tragischer Sturz im Olympiavorfeld 2004 (Athen) einen Olympiastart des damaligen Deutschen Mehrkampfmeisters verhinderte und sein gesamtes Leben so dramatisch verändern sollte.
Schon die Themenwahl und -abfolge zeugten von kluger redaktioneller Planung und Leitung der ASS-Crew unter Federführung von Redakteur Markus Lipfert und eine gut vorbereitete Moderatorin setzte diese auch ideenreich um. (* ... siehe auch > ZDF Mediathek) Da begeisterten sich die deutschen Fernsehmacher zunächst an der technischen Meisterleistung ihrer englischen Kollegen, die z. B. per aufwändiger Computertricks rechnergestütze 3D-Effekte einsetzten, um damit räumliche Dimensionen der nur wenige Sekunden dauernden Sprünge bei den Olympiawettbewerben und die Komplexität der Technik, der Schwierigkeit und des damit verbundenen Risikos dem staunenden Zuschauer klar zu machen.
Risiko, Risikobewältigung, Risikominimierung ... Diesem Thema wurden die drei Akteuren absolut unterschiedlichen Coleurs in der Gesprächsführung dann mehr als gerecht, denn als man dann am Beispiel der (historischen) Entwicklung des Reckturnens (Übung Eberhard Giengers, WM 1974, Warna) die Schönheit, Ästhetik und das Risiko darzustellen versuchte, konnten die persönlichen Blickwinkel der drei Turner nämlich gar nicht unterschiedlicher sein, da bekam man seltene Einblicke in die wahrhaftige Faszination dieser wohl komplexesten aller Sportarten: - als nämlich einerseits Philipp Boy selbst die Gründe seines für manche zu früh erfolgenden Rücktritts anführte, andererseits aber auch weiterhin vom hohen Anspuchscharakter fast ehrfuchtsvoll von seiner Sportart sprach, so dass am Ende jedem sein Rücktritt auch nachvollziehbar erschien; - als ausgerechnet der Mann im Rollstuhl, Ronny Ziesmer, dem man auch leicht als "ein Opfer des Risikos" bezeichnen könnte, als gerade d e r die Mechanismen des Leistungsstrebens und die Motivation junger Athleten über viele Jahre hin darstellte, die eben in der Beherrschung der Technik und des Risikos ihre echte Herausforderung sehen; - und als Marcel Nguyen, als einziger der drei noch "im Ring" verbleibender Akteur Richtung Rio de Janeiro 2016 blickte und bei der Video-Trainings-Demonstration von 4 ("vier !!") Flugelementen in direkter Folge des niederländischen Goldmedaillengewinners Epke Zonderland zwar erstaunt und hoch-anerkennend reagierte, aber darin eher die sportliche Herausforderung als denn Bedenken oder Resignation sah. * GYM-Video ---:Trainingsbilder: 4 Flieger in direkter Folge (!!) * Cassina - Kovacs - Kolman - Gaylord II *
Was für Athleten hat dieses westeuropäische Deutschland, die sich da zwar der scheinbar bevorteilten "asiatischen Leichtbauweise" - den Chinesen und Japanern - und einem im modernen Turnen damit verbundenen günstigeren Kraft-Last-Verhältnisses gegenüber siehen, aber sich schließlich mit dem viel komplexeren Faktor "Mensch" dieser Herausforderung stellen, wie die Leistungen von Hambüchen, Boy, Krimmer, Taranu, Toba, Spiridonov und der anderen Top-Athleten im Turnteam Deutschland längst beweisen! Auch wenn aktuell nun Marcel Nguyen mit seinen asiatischen Genen (Vater ist Vietnamese) scheinbar damit auch ein paar gute Karten mehr mit Blick auf Rio 2016 zu haben scheint: Man darf gespannt sein, welchen weiteren Weg diese kühnen Männer (- und Frauen!) mit ihren Kopplungsmanövern an der Eisenstange und im Raum weitergehen werden, und bitteschön, liebe Fernsehmacher: Lasst die TV-Zuschauer auch in Deutschland teilhaben an der Bewältigung diesen Hightech-Aufgaben im digitalen Hightech-Zeitalter! Hier sind andere Länder - nicht nur die Engländer und nicht nur im Olympiajahr - derweil weit voraus, denn man macht inzwischen weltweit Quote mit modernem Turnen. Nicht nur die renommierte Automarke "AUDI" wusste dies im Olympiaumfeld schon mit Werbespots eindrucksvoll umzusetzen! Längst überwiegen volle Hallen, und begeisterte Ränge zeugen von der gewachsenen Zuschauerresonanz, die man kundenzugewandt nun auch auf Bildschirmen nicht länger ignorieren sollte. Der Zulauf zum 5-Millionen-Verband DTB mit seinen 20.000 Vereinen, der größte Kinder- und Jugendlichenverband (> 1,6 Millionen) sowie größte Mädchen- und Frauenverband bietet einen noch immer viel zu wenig genutzten Querschnitt durch eine riesige Zielgruppe des bewegungsbegeisterten Teils der Gesellschaft.
Apropos: Risiko und Risikobewältigung...! Dies sollte aber nicht nur für die internationalen Topstars und die Auswahl-Crews das Thema sein. Wie steht es damit beim nationalen Verband DTB selbst, der schließlich höchsten Einsatz seinen Kadern abverlangt? Ein eigentümlicher Kontrast bietet sich da dem Betrachter:
Absolut unverständlich erscheint es momentan, wie diese riesige Struktur des größten Turnverbandes der Welt, dessen Möglichkeiten und Ressourcen gerade auf kommerziellen Nebenschauplätzen durch seine Führungs-Crew aufs Spiel setzt: * Da liest man im Zusammenhang mit einem Hotelprojekt eben von Millionenschulden (!) durch riskante und fehllaufende Immobilienprojekte, die den DTB in die Nähe der Insolvenz geführt haben sollen; * da werden Landesverbände zu vorauseilendem Gehorsam aufgefordert und verpflichtet, mit Vorab (!)-Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen die Zahlungsfähigkeit des Dachverbandes aufrecht zu erhalten (* ... nicht alle, wie der >>Turnverband Schleswig-Holstein erklärt ) ... und: * es werden Kreditaufnahmen in sechstelliger Höhe getätigt, die eigentlich zur Absicherung bevorstehender Großereignisse gedacht sind, mit denen man aber die Löcher des laufenden "Haushaltes" zu schließen gedenkt ...?! Insgesamt ist da von Missmanagement die Rede in einem Verband, der die Sicherung des Status der Gemeinnützigkeit als oberste Priorität pflegen, der gemäß seiner Satzung und seiner ethischen Prinzipien (Leitfaden) aber keineswegs die Risiken von Kapital- und Immobiliengeschäften auf seinen Fahnen zu stehen haben sollte. (* Lesen Sie zu diesem brisanten Thema auch die folgenden Presse-Artikel:
Soweit auch zum Thema Risiko und Risikobewältigung in der Führungsetage des Deutschen Turner-Bundes ... ... und dann immerhin diskutiert man gerade öffentlich mit seinen internationalen Top-Athleten d e r e n persönliches Risiko und ihre Risiko-Minimierung! Zumindest bedarf dies im Interesse der jungen und leistungsorientierten Athleten auch eines ethisch-sauberen Hintergrundes und einer entsprechend finanziell-abgesicherten Förderungskultur! Deshalb gehören die derzeit Schritt für Schritt bekannt werdenden Ungereimtheiten schon mit an diese Stelle, wenn es denn um Risiko in einer Hightechsportart geht. In Ausführlichkeit wird man sich da wohl an anderer Stelle noch viel intensiver mit diesem Thema beschäftigen müssen!
Übrigens...: ... nun zur Auflösung des Hintergrundes der sensationellen akrobatischen Fertigkeiten der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zu Beginn der Sendung: Es waren die perfekten Schnittkünste der ZDF-Sportstudio-Macher und die Boden-Turnkünste der Olympiaturnerin Lisa-Katharina Hill, selbige mit der selbstbewussten Schlusspose der Sportstudio-Moderatorin derart geschickt zu verknüpften, dass sie selbst eingefleischte Turnexperten zur Verblüffung brachten, wie das "ZDF-Making-Off-Video" beweist:
Insgesamt und in Vorfreude auf weitere turnerische Highlights des Weltcup-, EM-, WM- und Turnfestjahres 2013: Bravo ZDF ! (c) Eckhard Herholz; GYMmedia INTERNATIONAL
... und wer das Torwandschießen der Turner noch sehen möchte, der schaue hier rein: